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Gedanken zum Monatsspruch Juni 2024

Da sprach Mose zum Volk: Fürchtet euch nicht, steht fest und sehet zu, was für ein Heil der HERR heute an euch tun wird. Exodus (2. Mose) 14,13

Fürchtet euch nicht – so beginnt fast alle Botschaft Gottes an seine Leute. Die Gründe, warum sich Menschen fürchten, sind unendlich. Meistens sind es existenzielle Anlässe, die uns das Fürchten lehren. Situationen oder Geschehnisse, durch die unsere Lebenssituation bedroht ist, oder wir eine Verschlechterung der Lage befürchten müssen. Meist geht diese Befürchtung mit einer gewissen Zukunftsangst einher. Denn in der gegenwärtigen Situation haben wir uns eingerichtet und kennen wir uns aus – was dagegen kommen wird, wissen wir nicht. Das macht uns Angst.

Das Buch Exodus (2. Mose) schildert den Weg der Israeliten aus der Knechtschaft in Ägypten in das Land ihrer Vorfahren. Ein Weg, der anfangs mit einer Flucht in die Freiheit beginnt und am Ende die Besiedelung eines fruchtbaren Landes zum Ziel hat. Man ahnt, dass dieser Weg kein leichter ist, und wer die Geschichte kennt, weiß, dass kaum einer, der am Beginn dabei war, das Ziel persönlich erreicht hatte, sondern erst deren Kinder und Enkel. Obwohl die Strecke nur ein paar hundert Kilometer beträgt, brauchte das Volk dafür 40 Jahre. Die meiste Zeit davon verbrachten sie an den wenigen Orten in der Wüste, an denen Wasser und Nahrung zu finden waren.

Das 14. Kapitel dieser Erzählung schildert Israels Durchzug durch das Schilfmeer. Auf den ersten Blick eine aussichtslose Situation: Auf dem geraden Weg in die verheißene Zukunft lag das Wasser als schier unüberwindliches Hindernis und im Rücken die verfolgende ägyptische Armee, die ihre entlaufenen Sklaven wieder einfangen wollte. Die anfängliche Euphorie über die in Aussicht stehende Freiheit wich bei etlichen der Entflohenen bald einer breiten Verzagtheit (V 11f): Sie fürchteten sich sehr und schrien zu dem HERRN und sprachen zu Mose: Waren nicht Gräber in Ägypten, dass du uns wegführen musstest, damit wir in der Wüste sterben? Warum hast du uns das angetan, dass du uns aus Ägypten geführt hast? Haben wir’s dir nicht schon in Ägypten gesagt: Lass uns in Ruhe, wir wollen den Ägyptern dienen? Es wäre besser für uns, den Ägyptern zu dienen, als in der Wüste zu sterben. Doch genau dahinein geht das Wort des Mose (V 14): Fürchtet euch nicht, steht fest und sehet zu, was für ein Heil der HERR heute an euch tun wird.

Und siehe da – Mose betete und ein starker Sturm teilte das Wasser und sie gingen hindurch. Als sie das rettende Ufer erreicht hatten, hörte der Sturm auf und die Flut setzte ein. Die Verfolger blieben im Schlamm stecken und etliche ertranken. Moses Schwester Miriam stimmt das erste Glaubensbekenntnis der Bibel an: Der HERR hat eine große Tat getan. Ross und Mann warf er ins Meer – wir aber sind frei.

Gott erfüllt seine Verheißungen. Wenn wir sie an uns geschehen lassen, dann geschehen sie zu unserem Heil.

Sieghard Löser

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Gedanken zum Monatsspruch April 2024

Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die euch erfüllt. Erster Petrusbrief 3, 15

Der mittelalterliche italienische Dichter und Philosoph Dante Alighieri (1265 – 1321) beschreibt in seinem berühmtesten Werk eine Reise durch das Universum.
Diese Reise führt ihn von der Hölle bis ins Paradies. Dabei wird Dante von unterschiedlichen Führern begleitet. In dem Gedicht wird die Hölle in Form von neun konzentrischen Kreisen der Qual dargestellt, die sich innerhalb der Erde befinden.
Beim Eintritt durch das Höllentor wird den Eintretenden gesagt: „Lasst, die Ihr eintretet, alle Hoffnung fahren!“ Dante zitiert hier einen altrömischen Spruch, der einst den Gladiatoren vor ihrem Auftritt in der Arena zugerufen wurde.

Diesen Spruch kannten die Apostel Jesu auch. Und sie wussten: Wer in die Arena geschickt wird, der muss mit dem Schlimmsten rechnen.
Doch selbst dort gibt es für die Gläubigen noch Hoffnung – selbst wenn sie sterben.
Es ist die Hoffnung, die über den Tod hinausreicht, weil unser Herr Jesus Christus auch nicht im Tod geblieben ist. Als Ersten von allen, die gestorben sind, hat ihm der Schöpfer des Lebens ein ganz neues und unvergängliches Leben gegeben nach seinem Tod und hat solches Leben allen verheißen, die seinem Christus nachfolgen.

Paulus hatte geschrieben (Röm 5,5): „Hoffnung lässt nicht zuschanden werden, den die Liebe Gottes ist ausgegossen in unser Herz durch den Heiligen Geist.“
Und Petrus fordert uns auf, über unsere Hoffnung jedem Rede und Antwort zu stehen, der darüber von uns Rechenschaft verlangt.

Von einem Missionar – er hieß ausgerechnet Hoffmann und er lebte unter den Papua in Neuguinea – wird Folgendes erzählt: Er wollte mit den Eingeborenen sprechen und ihnen das Evangelium erklären.
Dazu suchte er in der dortigen Sprache lange vergebens nach einem Wort für „Hoffnung“, aber er fand kein passendes. Da starb eines seiner Kinder, und als Hoffmann am Grab stand, da kam ein Eingeborener und fragte teilnahmsvoll: „Werdet ihr jetzt weggehen?“
„Nein“, antwortete Hoffmann, und er erklärte dem Eingeborenen, dass er auch um seine anderen Kinder keine Angst habe.
„O“, sagte der dann, „was seid ihr Christen für Menschen. Ihr habt andere Herzen als wir, aber nicht wahr, ihr könnt durch den Horizont sehen.“
Da leuchtete es in dem Missionar auf: „Das ist Hoffnung“, dachte er: durch den Horizont sehen. Das ist das richtige Wort.

Wir Christen feiern Ostern. Ein Leben in der Verbindung mit dem auferstandenen Christus heißt: Hoffnung behalten, auch in dunklen Zeiten. Das gilt für heute und für jeden neuen Tag.

Sieghard Löser

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Gedanken zum Monatsspruch März 2024

Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten.
Er ist auferstanden, er ist nicht hier.
Evangelium nach Markus 16,6

Man stelle sich das vor: Am Freitag war man zusammen mit anderen bei einer Beerdigung. Begraben wurde ein enger Freund. Eine kleine Gruppe Trauernder hatte Abschied genommen und war dann nach Hause gegangen. Am übernächsten Tag – gleich ganz früh, waren ein paar Frauen aus der Trauergemeinde vom Freitag noch einmal zum Grab gelaufen. An diesem Sonntagmorgen wollten sie nachholen, was ihnen am Freitag bei der Beisetzung des Leichnams nicht mehr möglich gewesen war. Doch dann das: Der schwere Rollstein, der das Grabgewölbe bis zur nächsten Beisetzung eines Verstorbenen verschlossen halten sollte, war beiseite geschoben. Der Eingang in das Felsengrab stand sperrangelweit offen. An der Stelle, an der man den Leichnam des Verstorbenen am Freitag hingelegt hatte, sahen sie jetzt „einen Jüngling zur rechten Hand sitzen, der hatte ein langes weißes Kleid an …“.

Wer in einer solchen Situation nicht entsetzt ist, den bringt wohl nicht einmal der eigene Tod aus der Fassung. Also ist die erste Aufforderung des Jünglings im weißen Gewand durchaus notwendig: „Entsetzt euch nicht!“

Es ist kein Zufall, dass Engelsbotschaften mit ähnlichen Worten beginnen: „Fürchtet euch nicht!“ So war es beispielsweise am Anfang, als Jesus geboren war. Da sandte Gott seine Boten zu den Hirten nach Bethlehem. Doch als diese der Engel ansichtig wurde, „fürchteten sie sich sehr!“ Doch diese sprachen zu ihnen: „Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.“ Daraufhin machten sich die Hirten auf, suchten und fanden das Kind und seine Eltern und als sie es gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, das da zu ihnen von diesem Kind gesagt war.

Hier – am Ende des Evangeliums folgt dem Ruf der Ermutigung ebenfalls ein Auftrag. Die Frauen aus der ehemaligen Trauergemeinde vom Karfreitag sollen hingehen zu den Jüngern und ihnen sagen: „… , dass er auferstanden ist und vor euch hingeht nach Galiläa; da werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat.“

Genauso war es dann auch geschehen. Die Frauen brachten die Kunde von der Auferstehung Jesu zu den Jüngern und diese glaubten ihnen. Bald darauf erschien diesen der Auferstandene selbst. Die Zeugen der Auferstehung bildeten darauf eine eigene Gemeinde, deren erstes Merkmal darin bestand, dass sie sich gegenseitig davon berichteten, wie der Auferstandene ihnen begegnet sei und was das mit ihrem Leben und Glauben gemacht habe. Diese Gruppe der Auferstehungszeugen ist der Ausgangspunkt der christlichen Kirche – bis heute!

Sieghard Löser

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Die neue Friedhofsverwaltung Zwönitz stellt sich vor

Auch die Bewirtschaftung der Friedhöfe ist vom gesellschaftlichen Wandel betroffen. Um auch in Zukunft sowohl unsere Verstorbenen würdig zu bestatten als auch die Pflege der Friedhöfe wirtschaftlich und effektiv zu gestalten, ist eine Umstrukturierung hin zu einer modernen und technisierten Friedhofsverwaltung notwendig.

Die Friedhofsverwaltung Zwönitz ist ein ab dem 01.01.2024 gültiger Zusammenschluss der Zwönitzer Friedhöfe Trinitatis, Blasius, Johannis, Dorfchemnitz und Brünlos mit den Friedhöfen Elterlein und Schwarzbach. Sie ist ein Teil der Ev.-luth. Kirchgemeinde Zwönitz, die eine Körperschaft des öffentlichen Rechts ist, und finanziert den Betrieb ihrer Friedhöfe ausschließlich durch Gebühreneinnahmen. Die Leitungsverantwortung liegt beim Kirchenvorstand. Für den laufenden Geschäftsbetrieb ist der Friedhofsverwalter zuständig.

Gern stehen wir in allen Fragen rund um die Grabstätten auf unseren Friedhöfen als Ihr Ansprechpartner zur Verfügung.

Kontakt: Kirchstraße 6, 08297 Zwönitz

Telefon: 037754 / 326614

Mail: friedhofsverwaltung.zwoenitz@evlks.de

Öffnungszeiten:Dienstag10.00-12.00 Uhr und
14.00-17.00 Uhr
Donnerstag10.00-12.00 Uhr und
14.00-16.00 Uhr

Zur Anmeldung von Bestattungen bitten wir Sie, telefonisch (Montag bis Freitag 9.00 – 15.00 Uhr) dafür einen Termin zu vereinbaren.

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Gemeinde

Weltgebetstag am 1. März

Der Weltgebetstag ist die größte ökumenische Basisbewegung von Frauen. Ihr Motto lautet: „Informiert beten – betend handeln“. Der Weltgebetstag wird in über 120 Ländern in ökumenischen Gottesdiensten begangen.

Der Weltgebetstag findet jeweils am ersten Freitag im März statt. Die Gottesdienstordnung wird zuvor von Frauen eines bestimmten Landes erstellt und von den auf nationaler Ebene Verantwortlichen der anderen Länder in die jeweilige Landessprache übersetzt. Die Frauen bringen in die Texte und Gebete der Gottesdienstordnung die eigenen Hoffnungen und Ängste, die Freuden und Sorgen, die Wünsche und Bedürfnisse sowie die eigene kulturelle Vielfalt mit ein.

Das internationale Weltgebetstagskomitee erklärt zum Weltgebetstag: „Der Weltgebetstag ist eine weltweite Bewegung christlicher Frauen aus vielen Traditionen, die jedes Jahr zum Feiern eines gemeinsamen Gebetstags zusammenkommen und die in vielen Ländern eine ständige Gemeinschaft des Gebets und des Dienstes verbindet.“

Gemeinsame Anliegen des Weltgebetstages waren von Anfang an der Austausch und die sichtbare Gemeinschaft aller christlichen Frauen in der Welt. Darum werden die Gebete und die Texte dieses Tages im jährlichen Wechsel von Frauen aus einem anderen Land vorgeschlagen und verfasst. Die für 2024 vorgeschlagene Gottesdienstordnung stammt wie bereits 1994 von arabischen Frauen aus Israel und den palästinensischen Autonomiegebieten. Wie vor 30 Jahren gibt es auch diesmal erhebliche Kritik an den Texten und deren einseitiger politischer Intention. Das deutsche Weltgebetstagskomitee hat darum diese Texte für den Gebrauch im deutschen Sprachraum verändert – was wiederum von den arabischen Frauen kritisiert und für nicht von ihnen autorisiert erklärt wurde.

Zum Weltgebetstag in unserer Gemeinde werden wir darum weder die arabische noch die vom deutschen Komitee vorgeschlagene Variante verwenden, sondern in einem ersten Teil über die Situation der Christen in Israel und den palästinensischen Autonomiegebieten informieren und in einem gottesdienstlichen Teil für verfolgte Christen vorwiegend in muslimisch, hinduistisch und kommunistisch regierten Ländern beten.

Für die Verwendung der bei den Weltgebetstagsgottesdiensten als Zeichen weltweiter Solidarität eingesammelte Kollekte ist jedes Nationalkomitee selbst verantwortlich. Der größte Teil der Kollekte, die bei den Gottesdiensten in Deutschland zusammenkommt, wird für Frauenprojekte in aller Welt verwendet. Seit 1944 ist das Lied „The day Thou gavest, Lord, is ended“ (deutsch „Der Tag ist um“ EG 490, in jüngerer Zeit auch nach der Melodie von EG 266 „Der Tag, mein Gott, ist nun vergangen“ gesungen) das Schlusslied der Weltgebetstagsgottesdienste.

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Gedanken zum Aschermittwoch

Am Aschermittwoch beginnt die Passionszeit. Die Christenheit gedenkt in dieser Zeit in besonderer Weise des Leidens und Sterbens (der Passion) ihres Herrn Christus. Die Passionszeit dauert bis zur Osternacht. Die Bezeichnung Aschermittwoch kommt von dem Brauch, in der Heiligen Messe am Aschermittwoch die Gläubigen mit einem Kreuz aus der Asche vom Verbrennen der Palmzweige des Vorjahres zu segnen. Das Aschekreuz wird auf die Stirn gezeichnet. Mit diesem Ritual soll der Mensch an seine Vergänglichkeit erinnert und zur Umkehr aufgerufen werden. Der Priester spricht bei der Bezeichnung mit dem Aschenkreuz zu jedem Einzelnen die Worte: „Bedenke Mensch, dass du Staub bist und zum Staub zurückkehrst“ (lateinisch: „Memento homo, quia pulvis es, et in pulverem reverteris“).
In den evangelischen Gottesdiensten finden auch folgende Worte Verwendung: „Bedenke, Mensch, dass du sterben musst, auf dass du mit Christus lebst.“
Die Asche als Zeichen der Buße geht auf altorientalische Rituale zurück. So lesen wir im Buch des Propheten Jona, dass der König von Ninive als Zeichen seiner Reue und Umkehr seine königlichen Gewänder ablegte und sich in die Asche setzte (Jona 3,6-8). Auch von anderen biblischen Personen ist solches Verhalten überliefert. (Ich kehrte mich zu Gott, dem Herrn, um zu beten und zu flehen unter Fasten und in Sack und Asche [Daniel 9,3]
Judit ging in ihre Kammer und zog ein Bußgewand an, streute Asche auf ihr Haupt und fiel nieder vor dem Herrn, schrie zu ihm. [Judit 9,1])
Die Asche für das Ritual der Segnung mit dem Aschekreuz wurde nach altkirchlicher Tradition aus den verbrannten Palmzweigen der Palmsonntagsprozession gewonnen. In manchen evangelischen Gemeinden wurde dafür auch die Asche der verbrannten Weihnachtsbäume benutzt.
Im Vollzug der Passionszeit ist immer auch vom Fasten die Rede. Im Gegensatz zur heutigen Verwendung dieses Begriffes meint das Fasten im biblischen Sinn allerdings etwas ganz anderes. Nicht die Reduzierung des eigenen Körpergewichtes mittels Einschränkung von bestimmter Nahrungsaufnahme und eine damit einhergehende Verbesserung des körperlichen Wohlbefindens ist das Ziel. Fasten meint nicht nur den Verzicht auf fleischliche Nahrung oder die Enthaltsamkeit von anderen verzichtbaren Dingen (Alkohol, Schokolade, Fernsehen), sondern meint vielmehr die Konzentration auf das Wesentliche. Beim biblischen Fasten wird auf alles verzichtet, was uns daran hindert Gott nahe zu sein. Denn ein nicht unwesentlicher Teil unserer täglichen Lebensvollzüge ist
mit äußeren Dingen wie Nahrungsbeschaffung und deren Zubereitung belegt; auch mit allerlei medialer Ablenkungen wie Fernsehen oder die Nutzung moderner Kommunikationsmittel. Biblisches Fasten steht darum immer im Zusammenhang mit Beten. Die Passions- oder auch Fastenzeit
erinnert uns an die 40 Tage, die Jesus vor dem Beginn seiner öffentlichen Wirksamkeit fastend und betend in der Wüste verbrachte (Mt 4,2). Durch Fasten und Beten verschaffte er sich dort Klarheit über seine bevorstehenden Aufgaben und Herausforderungen.

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Gedanken zum Monatsspruch Februar 2024

Denn alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, dass der Mensch Gottes vollkommen sei, zu allem guten Werk geschickt. 2 Timotheus 3,16f

Der zweite Timotheusbrief gehört zu den sogenannten „Pastoral- oder Hirtenbriefen“. Paulus schreibt an seinen „rechten Sohn im Glauben“ (1 Tim 1,2). Diesem hatte Paulus die Gemeindeleitung in Ephesus übertragen. Dort aber war es zu Problemen gekommen. Wie so oft bei neu gegründeten christlichen Gemeinden, in denen sich noch keine geistliche Tradition herausgebildet hatte, waren Meinungsverschiedenheiten entstanden. Hauptsächlich zwei damals weit verbreitete Richtungen prägten das Leben der damaligen Gesellschaft: Esoterik und neuplatonische griechische Philosophie. Während die Philosophen sich um die rechte Interpretation der Fakten stritten, glaubten die Esoteriker an allerlei mehr oder weniger glaubhafte Einbildungen einzelner Menschen, aus denen sie eine Erkenntnislehre (grch. Gnosis) formulierten. Diese (und andere) Meinungsverschiedenheiten wurden nun auch in das Leben der christlichen Gemeinden hineingetragen – so wie in unseren Gemeinden heute auch über gesellschaftliche Fragestellungen diskutiert und nach eindeutigen kirchlichen Stellungnahmen dazu gesucht wird.

Der eigentliche Hintergrund dieses Problems lag in der Natur des erst wenige Jahre zuvor entstandenen christlichen Glaubens: Jesus aus Nazareth hatte Schüler berufen und ausgebildet, damit sie den Glauben der Israeliten, welche bis dahin als erstes und einziges Volk den einen unsichtbaren Schöpfers des Universums und Befreier und Beschützer seines Volkes anbeteten, auch zu den Heiden (den nichtjüdischen Völkern) hinaustragen sollten (Matth 28,19f).

Der Glaube, der sich in einem Volk (Israel) über tausend Jahre entfaltet und eine eigene Kultur entwickelt hatte, war nun durch die Apostel auch außerhalb Israels verbreitet worden, traf aber dort auf eine gänzlich anders geprägte Kultur. (Ähnliche Probleme hatten im letzten Jahrhundert manche Bibelübersetzer zu lösen, als sie beispielsweise Eskimos oder Urwaldindianern Jesu Gleichnisse von einem Ackerfeld oder einem Weinstock übersetzen sollten).
In der durch griechisches Denken geprägten antiken Welt traf nun auf solcherart geprägte Hörer das Evangelium von Jesus Christus. Es gehört zu den herausragendsten denkerischen Leistungen des Paulus, den Christusglauben in diese völlig anders geprägte Kultur zu pflanzen. Eine seiner Grunderkenntnisse dabei ist, dass nicht Esoterik und nicht Philosophie das Leben der christlichen Gemeinde bestimmen sollen, sondern die „Schrift“. Gemeint hat er damit alle 39 heiligen Schriften des ersten Testaments, welche die Christenheit ohne Ausnahme von den Israeliten übernommen und – später durch die 27 Schriften des Neuen Testaments ergänzt – zu ihrer heiligen Schrift gemacht hatten.

Sieghard Löser

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Samstagspilgern 2024

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Gedanken zum Monatsspruch Januar 2024

Niemand füllt neuen Wein in alte Schläuche; sonst zerreißt der Wein die Schläuche, und der Wein ist verloren und die Schläuche auch; sondern man füllt neuen Wein in neue Schläuche. Markus 2,22

Wein gehört neben Weizen, Gerste, Feige, Granatapfel, Olive und Dattel zu den sogenannten „sieben Arten“, die die Israeliten nach vierzig Jahren Wüste im Gelobten Land vorfanden. Ihnen kommt in der Bibel eine besondere Bedeutung zu. Sie gelten als Ausdruck des Segens Gottes.
Der Wein gehört im Heimatland Jesu zu den Lebensmitteln – als Traube frisch vom Weinberg gelesen oder als vergorener Most; aufbewahrt in Fässern oder Flaschen, früher in Schläuchen aus präpariertem Ziegenleder.

Als ich Kind war, kelterte mein Vater selber Wein: aus den Früchten in unserem Garten. Kirschen, Pflaumen aber auch Hagebutten wurden da in einem großen Glasbehälter angesetzt und die Öffnung mit einem Gärröhrchen verschlossen. Nach etlichen Wochen der Gärung wurde dann diese Flüssigkeit durch ein Sieb gegossen und in Flaschen abgefüllt.

In der Bibel wird der Wein (und dessen Wirkung) gleich in den Urgeschichten im ersten Buch erwähnt. So legt Noah als eine der ersten Arbeiten nach dem Ende der Sintflut einen Weinberg an. Er gilt demnach auch als Ahnherr der Winzer. „Noah aber, der Ackermann, pflanzte als Erster einen Weinberg. Und da er von dem Wein trank, ward er trunken und lag im Zelt aufgedeckt.“ (Genesis 9,20f)
Im Buch der Psalmen dient der Wein der Lebensfreude, bei Salomo ist er Arznei für Leidende, aber auch mit Vorsicht zu genießendes Rauschmittel.

Das Volk Israel wird mit einem Weinberg verglichen, Gott der HERR ist der Winzer.
Jesus beschreibt die Verbindung zu seinen Nachfolgern wie die zwischen Rebstock und Reben. Beim Abendmahl gilt das gemeinsame Trinken von Wein als Ausdruck der Verbindung zu Christus, der zu seinem letzten Passahfest mit seinen Jüngern das Sedermahl hielt, bei dessen Vollzug alle den Wein aus einem Becher trinken.

Im Unterricht für seine Schüler greift Jesus oft auf Bildworte und Vergleiche zurück.
Eines davon ist der Monatsspruch für Januar. Jesus vergleicht das Wirken des Heiligen Geistes mit gärendem, neuem Wein. Denn Gottes Kraft kann man nicht in Behältern abfüllen und als Reserve im Keller lagern. Und doch braucht auch das Heilige ein Gefäß. „Wir haben den Schatz in irdenen Gefäßen“, schreibt der Apostel Paulus später an die Gemeinde in Korinth (2 Kor 4,7).
Die Gemeinde Jesu muss darum immer wieder erneuert werden. Sie darf den Schatz des Evangeliums nicht einwecken und nur für sich behalten.

Sieghard Löser

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Gedanken zum Monatsspruch Dezember 2023

Meine Augen haben deinen Heiland gesehen, das Heil, das du bereitet hast vor allen Vökern. Ein Licht zu erleuchten die Heiden und zum Preise deines Volkes Israel. Evangelium nach Lukas 2,30-33

Nach levitischer Vorschrift besuchte jede jüdische Mutter 40 Tage nach der Geburt eines Knaben oder 80 Tage nach der Geburt eines Mädchens zum ersten mal wieder den Tempel und brachte ein Schaf oder eine Taube als Dankopfer dar.

Der erstgeborene Sohn einer Frau wurde zudem – in Erinnerung an die Passah-Nacht – als Eigentum Gottes betrachtet und darum in den Tempel gebracht bzw. durch ein Opfer vom Tempeldienst abgelöst. Auch Joseph und Maria gehen – wie es damals Brauch war – mit ihrem erstgeborenen Kind in den Tempel um das Dankopfer darzubringen. Dort haben sie jedoch eine merkwürdige Begegnung: Ein alter Mann namens Simeon scheint geradezu auf die kleine Familie zu warten. Bei Lukas heißt es: „er wartete auf den Trost Israels.“

Er wusste, dass eines Tages der Erlöser kommen würde, denn so hatten es die Propheten seines Volkes schon lange angekündigt – und so hatte er es in den heiligen Schriften seines Volkes selber nachlesen können. Ihm „war ein Wort zuteil geworden durch den Heiligen Geist, er solle den Tod nicht sehen, er habe denn zuvor den Gesalbten des HERRN gesehen.“

Gewiss kannte Simeon die Verheißung des Propheten Jesaja (11,1f): „Es wird ein Reis hervorgehen aus dem Stamm Isais und ein Zweig aus seiner Wurzel Frucht bringen. Auf ihm wird ruhen der Geist des HERRN, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Furcht des Herrn„.

Als Joseph und Maria mit ihrem Kind in den Tempel kamen, war dem Simeon klar geworden: „Dieses Wort ist in Erfüllung gegangen. Der Messias ist geboren. Ich selbst werde ihn sehen.“ Und dann schließt er das Kind in seine Arme, lobt Gott und spricht: „Nun lässt du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast; denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen…“ Dieser von Gott erwartete und nun in die Welt gekommene Heiland ist nicht nur beauftragt, seinem eigenen Land das Heil Gottes zu bringen sondern allen Völkern. Er ist gekommen um auch die Heiden mit dem Licht Gottes zu erleuchten.

Mit diesen kurzen Worten fasst Simeon unsere ganze christliche Heilsgeschichte zusammen: Das Heil Gottes, das zuerst nur bestimmt war für die leiblichen Nachkommen der Erzväter Israels, wird nun durch den von Gott beauftragten Messias zu den übrigen Völkern gebracht. Diese dürfen jetzt auch Kinder Gottes werden, weil sie durch den Reis aus dem Stamm Isais dazu eingeladen sind. Das alles geschieht zum Lob Gottes und zum Preise seines Volkes Israel.
Letzteres muss die Christenheit wohl aber erst noch lernen.

Sieghard Löser