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Gedanken zum Aschermittwoch

Am Aschermittwoch beginnt die Passionszeit. Die Christenheit gedenkt in dieser Zeit in besonderer Weise des Leidens und Sterbens (der Passion) ihres Herrn Christus. Die Passionszeit dauert bis zur Osternacht. Die Bezeichnung Aschermittwoch kommt von dem Brauch, in der Heiligen Messe am Aschermittwoch die Gläubigen mit einem Kreuz aus der Asche vom Verbrennen der Palmzweige des Vorjahres zu segnen. Das Aschekreuz wird auf die Stirn gezeichnet. Mit diesem Ritual soll der Mensch an seine Vergänglichkeit erinnert und zur Umkehr aufgerufen werden. Der Priester spricht bei der Bezeichnung mit dem Aschenkreuz zu jedem Einzelnen die Worte: „Bedenke Mensch, dass du Staub bist und zum Staub zurückkehrst“ (lateinisch: „Memento homo, quia pulvis es, et in pulverem reverteris“).
In den evangelischen Gottesdiensten finden auch folgende Worte Verwendung: „Bedenke, Mensch, dass du sterben musst, auf dass du mit Christus lebst.“
Die Asche als Zeichen der Buße geht auf altorientalische Rituale zurück. So lesen wir im Buch des Propheten Jona, dass der König von Ninive als Zeichen seiner Reue und Umkehr seine königlichen Gewänder ablegte und sich in die Asche setzte (Jona 3,6-8). Auch von anderen biblischen Personen ist solches Verhalten überliefert. (Ich kehrte mich zu Gott, dem Herrn, um zu beten und zu flehen unter Fasten und in Sack und Asche [Daniel 9,3]
Judit ging in ihre Kammer und zog ein Bußgewand an, streute Asche auf ihr Haupt und fiel nieder vor dem Herrn, schrie zu ihm. [Judit 9,1])
Die Asche für das Ritual der Segnung mit dem Aschekreuz wurde nach altkirchlicher Tradition aus den verbrannten Palmzweigen der Palmsonntagsprozession gewonnen. In manchen evangelischen Gemeinden wurde dafür auch die Asche der verbrannten Weihnachtsbäume benutzt.
Im Vollzug der Passionszeit ist immer auch vom Fasten die Rede. Im Gegensatz zur heutigen Verwendung dieses Begriffes meint das Fasten im biblischen Sinn allerdings etwas ganz anderes. Nicht die Reduzierung des eigenen Körpergewichtes mittels Einschränkung von bestimmter Nahrungsaufnahme und eine damit einhergehende Verbesserung des körperlichen Wohlbefindens ist das Ziel. Fasten meint nicht nur den Verzicht auf fleischliche Nahrung oder die Enthaltsamkeit von anderen verzichtbaren Dingen (Alkohol, Schokolade, Fernsehen), sondern meint vielmehr die Konzentration auf das Wesentliche. Beim biblischen Fasten wird auf alles verzichtet, was uns daran hindert Gott nahe zu sein. Denn ein nicht unwesentlicher Teil unserer täglichen Lebensvollzüge ist
mit äußeren Dingen wie Nahrungsbeschaffung und deren Zubereitung belegt; auch mit allerlei medialer Ablenkungen wie Fernsehen oder die Nutzung moderner Kommunikationsmittel. Biblisches Fasten steht darum immer im Zusammenhang mit Beten. Die Passions- oder auch Fastenzeit
erinnert uns an die 40 Tage, die Jesus vor dem Beginn seiner öffentlichen Wirksamkeit fastend und betend in der Wüste verbrachte (Mt 4,2). Durch Fasten und Beten verschaffte er sich dort Klarheit über seine bevorstehenden Aufgaben und Herausforderungen.

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Gedanken zum Monatsspruch Februar 2024

Denn alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, dass der Mensch Gottes vollkommen sei, zu allem guten Werk geschickt. 2 Timotheus 3,16f

Der zweite Timotheusbrief gehört zu den sogenannten „Pastoral- oder Hirtenbriefen“. Paulus schreibt an seinen „rechten Sohn im Glauben“ (1 Tim 1,2). Diesem hatte Paulus die Gemeindeleitung in Ephesus übertragen. Dort aber war es zu Problemen gekommen. Wie so oft bei neu gegründeten christlichen Gemeinden, in denen sich noch keine geistliche Tradition herausgebildet hatte, waren Meinungsverschiedenheiten entstanden. Hauptsächlich zwei damals weit verbreitete Richtungen prägten das Leben der damaligen Gesellschaft: Esoterik und neuplatonische griechische Philosophie. Während die Philosophen sich um die rechte Interpretation der Fakten stritten, glaubten die Esoteriker an allerlei mehr oder weniger glaubhafte Einbildungen einzelner Menschen, aus denen sie eine Erkenntnislehre (grch. Gnosis) formulierten. Diese (und andere) Meinungsverschiedenheiten wurden nun auch in das Leben der christlichen Gemeinden hineingetragen – so wie in unseren Gemeinden heute auch über gesellschaftliche Fragestellungen diskutiert und nach eindeutigen kirchlichen Stellungnahmen dazu gesucht wird.

Der eigentliche Hintergrund dieses Problems lag in der Natur des erst wenige Jahre zuvor entstandenen christlichen Glaubens: Jesus aus Nazareth hatte Schüler berufen und ausgebildet, damit sie den Glauben der Israeliten, welche bis dahin als erstes und einziges Volk den einen unsichtbaren Schöpfers des Universums und Befreier und Beschützer seines Volkes anbeteten, auch zu den Heiden (den nichtjüdischen Völkern) hinaustragen sollten (Matth 28,19f).

Der Glaube, der sich in einem Volk (Israel) über tausend Jahre entfaltet und eine eigene Kultur entwickelt hatte, war nun durch die Apostel auch außerhalb Israels verbreitet worden, traf aber dort auf eine gänzlich anders geprägte Kultur. (Ähnliche Probleme hatten im letzten Jahrhundert manche Bibelübersetzer zu lösen, als sie beispielsweise Eskimos oder Urwaldindianern Jesu Gleichnisse von einem Ackerfeld oder einem Weinstock übersetzen sollten).
In der durch griechisches Denken geprägten antiken Welt traf nun auf solcherart geprägte Hörer das Evangelium von Jesus Christus. Es gehört zu den herausragendsten denkerischen Leistungen des Paulus, den Christusglauben in diese völlig anders geprägte Kultur zu pflanzen. Eine seiner Grunderkenntnisse dabei ist, dass nicht Esoterik und nicht Philosophie das Leben der christlichen Gemeinde bestimmen sollen, sondern die „Schrift“. Gemeint hat er damit alle 39 heiligen Schriften des ersten Testaments, welche die Christenheit ohne Ausnahme von den Israeliten übernommen und – später durch die 27 Schriften des Neuen Testaments ergänzt – zu ihrer heiligen Schrift gemacht hatten.

Sieghard Löser

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Gedanken zum Monatsspruch Januar 2024

Niemand füllt neuen Wein in alte Schläuche; sonst zerreißt der Wein die Schläuche, und der Wein ist verloren und die Schläuche auch; sondern man füllt neuen Wein in neue Schläuche. Markus 2,22

Wein gehört neben Weizen, Gerste, Feige, Granatapfel, Olive und Dattel zu den sogenannten „sieben Arten“, die die Israeliten nach vierzig Jahren Wüste im Gelobten Land vorfanden. Ihnen kommt in der Bibel eine besondere Bedeutung zu. Sie gelten als Ausdruck des Segens Gottes.
Der Wein gehört im Heimatland Jesu zu den Lebensmitteln – als Traube frisch vom Weinberg gelesen oder als vergorener Most; aufbewahrt in Fässern oder Flaschen, früher in Schläuchen aus präpariertem Ziegenleder.

Als ich Kind war, kelterte mein Vater selber Wein: aus den Früchten in unserem Garten. Kirschen, Pflaumen aber auch Hagebutten wurden da in einem großen Glasbehälter angesetzt und die Öffnung mit einem Gärröhrchen verschlossen. Nach etlichen Wochen der Gärung wurde dann diese Flüssigkeit durch ein Sieb gegossen und in Flaschen abgefüllt.

In der Bibel wird der Wein (und dessen Wirkung) gleich in den Urgeschichten im ersten Buch erwähnt. So legt Noah als eine der ersten Arbeiten nach dem Ende der Sintflut einen Weinberg an. Er gilt demnach auch als Ahnherr der Winzer. „Noah aber, der Ackermann, pflanzte als Erster einen Weinberg. Und da er von dem Wein trank, ward er trunken und lag im Zelt aufgedeckt.“ (Genesis 9,20f)
Im Buch der Psalmen dient der Wein der Lebensfreude, bei Salomo ist er Arznei für Leidende, aber auch mit Vorsicht zu genießendes Rauschmittel.

Das Volk Israel wird mit einem Weinberg verglichen, Gott der HERR ist der Winzer.
Jesus beschreibt die Verbindung zu seinen Nachfolgern wie die zwischen Rebstock und Reben. Beim Abendmahl gilt das gemeinsame Trinken von Wein als Ausdruck der Verbindung zu Christus, der zu seinem letzten Passahfest mit seinen Jüngern das Sedermahl hielt, bei dessen Vollzug alle den Wein aus einem Becher trinken.

Im Unterricht für seine Schüler greift Jesus oft auf Bildworte und Vergleiche zurück.
Eines davon ist der Monatsspruch für Januar. Jesus vergleicht das Wirken des Heiligen Geistes mit gärendem, neuem Wein. Denn Gottes Kraft kann man nicht in Behältern abfüllen und als Reserve im Keller lagern. Und doch braucht auch das Heilige ein Gefäß. „Wir haben den Schatz in irdenen Gefäßen“, schreibt der Apostel Paulus später an die Gemeinde in Korinth (2 Kor 4,7).
Die Gemeinde Jesu muss darum immer wieder erneuert werden. Sie darf den Schatz des Evangeliums nicht einwecken und nur für sich behalten.

Sieghard Löser

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Gedanken zum Monatsspruch Dezember 2023

Meine Augen haben deinen Heiland gesehen, das Heil, das du bereitet hast vor allen Vökern. Ein Licht zu erleuchten die Heiden und zum Preise deines Volkes Israel. Evangelium nach Lukas 2,30-33

Nach levitischer Vorschrift besuchte jede jüdische Mutter 40 Tage nach der Geburt eines Knaben oder 80 Tage nach der Geburt eines Mädchens zum ersten mal wieder den Tempel und brachte ein Schaf oder eine Taube als Dankopfer dar.

Der erstgeborene Sohn einer Frau wurde zudem – in Erinnerung an die Passah-Nacht – als Eigentum Gottes betrachtet und darum in den Tempel gebracht bzw. durch ein Opfer vom Tempeldienst abgelöst. Auch Joseph und Maria gehen – wie es damals Brauch war – mit ihrem erstgeborenen Kind in den Tempel um das Dankopfer darzubringen. Dort haben sie jedoch eine merkwürdige Begegnung: Ein alter Mann namens Simeon scheint geradezu auf die kleine Familie zu warten. Bei Lukas heißt es: „er wartete auf den Trost Israels.“

Er wusste, dass eines Tages der Erlöser kommen würde, denn so hatten es die Propheten seines Volkes schon lange angekündigt – und so hatte er es in den heiligen Schriften seines Volkes selber nachlesen können. Ihm „war ein Wort zuteil geworden durch den Heiligen Geist, er solle den Tod nicht sehen, er habe denn zuvor den Gesalbten des HERRN gesehen.“

Gewiss kannte Simeon die Verheißung des Propheten Jesaja (11,1f): „Es wird ein Reis hervorgehen aus dem Stamm Isais und ein Zweig aus seiner Wurzel Frucht bringen. Auf ihm wird ruhen der Geist des HERRN, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Furcht des Herrn„.

Als Joseph und Maria mit ihrem Kind in den Tempel kamen, war dem Simeon klar geworden: „Dieses Wort ist in Erfüllung gegangen. Der Messias ist geboren. Ich selbst werde ihn sehen.“ Und dann schließt er das Kind in seine Arme, lobt Gott und spricht: „Nun lässt du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast; denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen…“ Dieser von Gott erwartete und nun in die Welt gekommene Heiland ist nicht nur beauftragt, seinem eigenen Land das Heil Gottes zu bringen sondern allen Völkern. Er ist gekommen um auch die Heiden mit dem Licht Gottes zu erleuchten.

Mit diesen kurzen Worten fasst Simeon unsere ganze christliche Heilsgeschichte zusammen: Das Heil Gottes, das zuerst nur bestimmt war für die leiblichen Nachkommen der Erzväter Israels, wird nun durch den von Gott beauftragten Messias zu den übrigen Völkern gebracht. Diese dürfen jetzt auch Kinder Gottes werden, weil sie durch den Reis aus dem Stamm Isais dazu eingeladen sind. Das alles geschieht zum Lob Gottes und zum Preise seines Volkes Israel.
Letzteres muss die Christenheit wohl aber erst noch lernen.

Sieghard Löser

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Gedanken zum Monatsspruch November 2023

Gott allein breitet den Himmel aus und geht auf den Wogen des Meers.  Er macht den Großen Wagen am Himmel und den Orion und das Siebengestirn und die Sterne des Südens. Hiob 9,8-9

Immanuel Kant – einer der bedeutendsten Vertretern der abendländischen Philosophie – schreibt im Beschluss seiner „Kritik der praktischen Vernunft“:  „Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mit immer neuer und zunehmenden Bewunderung und Ehrfurcht, je öfter und anhaltender sich das Nachdenken damit beschäftigt: Der bestirnte Himmel über mir, und das moralische Gesetz in mir... ich sehe sie vor mir und verknüpfe sie unmittelbar mit dem Bewusstsein meiner Existenz…   Der erstere Anblick einer zahllosen Weltenmenge vernichtet gleichsam meine Wichtigkeit, als eines tierischen Geschöpfs, das die Materie, daraus es ward, dem Planeten (einem bloßen Punkt im Weltall) wieder zurückgeben muss, nachdem es eine kurze Zeit (man weiß nicht wie) mit Lebenskraft versehen gewesen. Der zweite erhebt dagegen meinen Wert, als einer Intelligenz, unendlich, durch meine Persönlichkeit, in welcher das moralische Gesetz mir ein von der Tierheit und selbst von der ganzen Sinnenwelt unabhängiges Leben offenbart, wenigstens so viel sich aus der zweckmäßigen Bestimmung meines Daseins durch dieses Gesetz, welche nicht auf Bedingungen und Grenzen dieses Lebens eingeschränkt ist, sondern ins Unendliche geht, abnehmen lässt…“

Von Immanuel Kant wissen wir, dass er ein fleißiger Leser der Bibel war. Unzweifelhaft kannte er das Buch Hiob, aus dem unser Monatsspruch entnommen ist. Aber anders als sein Zeitgenosse Johann Wolfgang Goethe macht er daraus kein Theaterstück, sondern die Grundlage einer praktischen Lebensführung. Nicht der faustische Mensch der um seiner selbst willen sogar einen Pakt mit dem Teufel eingeht, steht bei ihm im Fokus, sondern die Suche nach einer friedlichen Form des Zusammenlebens von Menschen und Völkern. Sein Kategorischer Imperativ lautet: „Handle so, als ob die Maxime deiner Handlung durch deinen Willen zum allgemeinen Gesetz werden sollte.“

Bei Hiob klingt das freilich noch nicht so kompliziert. Seine Gotteserkenntnis klingt eher wie ein großer Lobpreis (9,4-10): Gott ist weise und mächtig; wer stellte sich ihm entgegen und blieb unversehrt? Er versetzt Berge, ehe sie es innewerden; er stürzt sie um in seinem Zorn. Er bewegt die Erde von ihrem Ort, dass ihre Pfeiler zittern. Er spricht zur Sonne, so geht sie nicht auf, und versiegelt die Sterne. Er allein breitet den Himmel aus und geht auf den Wogen des Meers. Er macht den Großen Wagen am Himmel und den Orion und das Siebengestirn und die Sterne des Südens. Er tut große Dinge, die nicht zu erforschen, und Wunder, die nicht zu zählen sind.

Sieghard Löser

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Gedanken zum Monatsspruch Oktober 2023

Seid Täter des Wortes und nicht Hörer allein; sonst betrügt ihr euch selbst. Brief des Apostels Jakobus 1,22

Der Apostel Jakobus ist ein Praktiker. Glaube, der keine Taten im Sinne Gottes vollbringt, ist tot – schreibt er (2,17). Und wenn jemand Gutes tun kann und tut es nicht, so verfehlt er das Ziel des Glaubens (4,17).

„Glauben“ ist also nicht nur ein „Für-Wahr-Halten dass es Gott gibt“, sondern erweist seine Kraft in der lebendigen Beziehung des Gläubigen zu Gott. Er drückt sich nicht nur im Gebet und im Gottesdienst aus, sondern auch in der tätigen Nächstenliebe. Dieser Glaube bringt „Früchte“ hervor. Paulus sagt deshalb im Galaterbrief, dass es darauf ankommt, „den Glauben zu haben, der in der Liebe wirksam ist“ (Gal 5,6). Als solche Wirksamkeiten des Glauben nennt er u.a.: Freundlichkeit, Sanftmut, Geduld und Selbstbeherrschung.

Diese Werke der Barmherzigkeit sind nicht irgendwie ein Anhängsel an unseren Glauben, auf die wir auch verzichten könnten. Sie sind vielmehr Ausdruck und Prüfstein unseres Glaubens. Nur wenn wir sie in Freude vollbringen und praktizieren, entsprechen wir unserer Berufung als Kinder Gottes und seine „Juniorpartner“ beim Bau seines Reichen in dieser Welt. Denn das genau ist ja der Grund dafür, warum sich Gott ein Volk beruft und mit Gaben ausrüstet, damit durch seine Leute die Aufgaben erledigt werden, die nötig sind um seinen Plan mit der Welt zur Entfaltung zu bringen.

Schon in der frühen Christenheit wurde darum die „Lehre von den sieben geistlichen und den sieben leiblichen Werken der Barmherzigkeit“ entwickelt und gelehrt. Sie ist heute so aktuell wie zu Beginn des biblischen Glaubens.

Die geistlichen Werke der Barmherzigkeit:

  • Die Unwissenden lehren
  • Den Zweiflern raten
  • Die Trauernden trösten
  • Die Sünder zur Umkehr ermutigen
  • Denen, die und beleidigen, verzeihen
  • Die Lästigen ertragen
  • Für alle Menschen beten

Die lieblichen Werke der Barmherzigkeit:

  • Die Hungernden speisen
  • Den Durstigen zu trinken geben
  • Den Nackten bekleiden
  • Die Fremden beherbegern
  • Die Kranken pflegen
  • Die Gefangenen besuchen
  • Die Toten in Würde bestatten

Sieghard Löser

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Gedanken zum Monatsspruch Juli 2023

Jesus Christus spricht: Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen, damit ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel. Matthäus 5,44f

Jesu oft zitierter Satz stammt aus der Bergpredigt. Diese findet sich in den Kapiteln 5 bis 7 im Matthäusevangelium. Insgesamt fünf solcher Reden enthält dieses an die erste Stelle des Neuen Testaments platzierte Schreiben. Darin hat der Evangelist die sogenannte „Wortüberlieferung“ Jesu zusammengefasst, von denen die Bergpredigt wiederum die erste ist. Nicht ohne Grund bezeichnet man das Matthäusevangelium auch als „pädagogisches Evangelium“, weil es (fast systematisch geordnet) eine Zusammenfassung aller Inhalte des christlichen Glaubens bietet.
Die Bergpredigt ist konzipiert als Rede Jesu an seine Jünger, deren Berufung im Kapitel vorher berichtet wurde. Ebenfalls als Hörer der Bergpredigt nennt Matthäus eine „große Menge aus Galiläa, aus den zehn Städten, aus Jerusalem, aus Judäa und von jenseits des Jordans“, die Jesu Verkündigung des Reiches Gottes und deren Bekräftigung durch seine Krankenheilungen gehört und gesehen hatten.

Die Bergpredigt beginnt mit einem Paukenschlag: in den sogenannten „Seligpreisungen“ werden Menschen von Jesus glücklich gepriesen, denen es schlecht geht, die weinen, verfolgt werden oder unter Ungerechtigkeit leiden. Aber was uns auf den ersten Blick befremdlich, wenn nicht gar absurd entgegenkommt, stellt Jesus in die Perspektive des Reiches Gottes. Man hat die Seligpreisungen darum auch als „Umkehrung aller (menschlichen) Werte“ bezeichnet. Denn nicht das Leiden und die Schmerzen und das den Menschen angetane Unrecht werden Bestand haben, sondern das Handeln Gottes ändert alles – bzw. die Menschen, welche im Sinne Gottes handeln, verändern die Welt im Sinne Gottes. Zu denen sagt Jesus (V 7-9):
Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.
Selig sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen.
Selig sind die Friedensstifter; denn sie werden Gottes Kinder heißen.

Die Ethik der Bergpredigt (was Jesus also von seinen Jüngern und Nachfolgern erwartet) ist Individualethik – also das, was jeder einzelne tun kann und soll, damit das Reich Gottes in dieser Welt gebaut werden kann.

Mit der Bergpredigt kann man keine Politik machen! Helmut Schmidt

„Mit der Bergpredigt kann man keine Politik machen!“ So behauptete einst Bundeskanzler Helmut Schmidt. Auf den ersten Blick hat auch dieser Mensch recht. Denn Politik besteht ja nicht in der Durchsetzung von Individualethik, sondern hat die geordnete Regelung des Zusammenlebens in einem Gemeinwesen zum Ziel. Darum muss ein Staat Regeln schaffen, die für alle gelten. Er muss die Guten schützen vor den Bösen und den Schwachen helfen. Wenn er das tut, ist seine Aufgabe erfüllt. Das Böse überwinden aber kann man nur mit Gutem. Das zu erreichen aber, genügen keine Gebote und Gesetze, sondern dazu braucht es Vorbild, Liebe und Barmherzigkeit – und Menschen, die so handeln.

Sieghard Löser

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Gedanken zum Monatsspruch Juni 2023

Gott gebe dir vom Tau des Himmels und vom Fett der Erde und Korn und Wein die Fülle. Genesis 27,28

Die Segensworte eines alten Mannes. Isaak, der Zweite in den Generationenfolge des Gottesvolkes, sprach sie einst zu seinem zweitgeborenen Sohn Jakob – der später den Namen „Israel“ erhielt. Und dabei hatte doch alles ganz falsch angefangen: wie damals im Alten Orient – und heute noch bei vielen Völkern üblich, sollte der Erstgeborene den Segen des Vaters erlangen und für die Weiterführung des Erbes verantwortlich sein. Doch Sitten, Gebräuche und völkische Traditionen sind keine zwingenden Begründungen für die Verwirklichung von Gottes Plan.

So wie Abraham einst seinen zweitgeborenen Sohn Isaak mit dem Erbe betraute, so betraut jetzt Isaak seinen zweitgeborenen Sohn Jakob mit dem Segen. Er soll „Fett, Korn und Wein in Fülle“ haben und seine Felder sollen stets mit dem Tau des Himmels benetzt und dadurch fruchtbar sein. Doch direkt im Anschluss an diesen Segen muss Jakob fliehen. Denn er hatte sich gegenüber seinem blinden Vater Isaak als sein Bruder Esau ausgegeben und sich den Segen erschlichen. Als Esau dahinterkam, wie Jakob ihn betrogen hatte, musste Jakob fliehen. Erst 20 Jahre später kam Jakob zurück in seine Heimat und versöhnte sich mit seinem Bruder. In diesen beiden Jahrzehnten war er bei seinem Onkel Laban untergekommen, aber von diesem auch ausgenutzt worden. Doch so ganz allmählich war Gottes Segen in seinem Leben zur Entfaltung gekommen. Denn in der Fremde hatte Jakob sein Glück gefunden und eine große Familie gegründet. Und durch Fleiß und Klugheit war er zu beträchtlichem Wohlstand gekommen.

Segen kommt von Gott. Es ist die Bestätigung dessen, was in SEINEM Sinn und nach seinen Weisungen und Geboten getan wird. Der Segen, welcher von denen weitergegeben wird, die zu diesem Zweck berufen sind, kann nicht nach menschlichem Ermessen oder Gutdünken verabreicht werden. Auch kann sich niemand selber segnen. Zum Segen gehört immer der, der segnet, und der, der gesegnet wird. Aus eigener Kraft kann man nicht segnen, aus eigener Kraft kann man nur wünschen. Das ist der Unterschied von Wunsch und Segen. Das Subjekt des Segnens ist immer Gott. Und als Empfänger des Segens bin ich immer passiv. Ich kann es vielleicht aktiv verhindern, gesegnet zu werden, aber ich kann nicht aktiv Segen herbeiführen oder gar erzwingen. Segen ist immer ein Geschenk. Oder es ist kein Segen.

Für Jakob hat sich der Segen sogar ganz materiell ausgewirkt. Und er führte weiter, was Gott einst seinem Großvater Abraham und dessen Nachkommen auf ewig zugesagt hatte (Gen 12,3): „Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein. Wer dich segnet, der wird gesegnet sein und wer dich verwünscht, den will ich verfluchen. Durch dich sollen alle Geschlechter der Erde Segen erlangen.“

Sieghard Löser

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Gedanken zum Monatsspruch Mai 2023

Weigere dich nicht, dem Bedürftigen Gutes zu tun, wenn deine Hand es vermag. Sprüche 3,27

Das biblische Buch der Sprüche ist eine „Sammlung von Sammlungen“ von zumeist ethischen Weisheiten und Empfehlungen. Über einen Zeitraum von mehr als 500 Jahren bis in die hellenistische Zeit wurden an die auf den weisen König Salomo zurückgehende Spruchsammlung weitere Sammlungen angefügt (z.B. die „Sprüche Agurs“, „Sprüche der Männer des Königs Hiskija“ oder die „Worte des Lemuel“)

Nur wenige Bücher der Bibel geben ausdrücklich an, wozu sie geschrieben sind. Das Buch der Sprüche gehört dazu. Seine ersten sieben Verse bilden eine Art Vorwort, das Sinn und Zweck vorstellt. Der siebente Vers spricht dabei programmatische vom Zusammenhang von Weisheit und Gottesbeziehung.

In der christlichen – vor allem der lutherischen – Theologie fast völlig ausgeblendet ist eine in der gesamten Weisheitsliteratur der Bibel (Sprüche, Prediger, Hoheslied, Sirach u.a.) präsente Vorstellung von der „Weisheit als eingeborener Tochter Gottes“ (siehe die Frau im Arm des Schöpfers bei dessen „Erschaffung Adams“ im Bild Michelangelos auf der Vorderseite).

Wie kaum ein anderes Buch der Bibel fordert das Buch der Sprüche die eigenen Aktivität der Lesenden; sie sollen sich mit den verschiedenen dargelegten Situationen und menschlichen Verhaltensweisen auseinandersetzen und nach der Weisheit in der eigenen Situation fragen. Die Sprüche in ihrer Gesamtheit wollen nicht zu bloß regelkonformen Verhaltensweisen oder gar zu stereotypischen Wahrnehmungen der Menschen als Gute und Böse, Dumme und Kluge anleiten, sondern zu kritischem und selbstkritischem Wahrnehmen der Welt und der eigenen Person führen. und damit ethisch verantwortbares Handeln ermöglichen.

Eine Fülle von Ausdrücken umschreibt, was Weisheit und Erziehung sind und sein können. Dabei geht es nicht um die Definition klar voneinander abgegrenzter Inhalte und Kompetenzen, sondern um miteinander verschränkte Dimensionen. Weisheit erwirbt man nicht allein durch trainierendes Einüben von intellektuellen Fähigkeiten oder dem Aneignen von Wissen, vielmehr geht es um Redlichkeit und dem Sinn von Recht und Gerechtigkeit. Weisheitsvermittlung besteht nicht in der Anhäufung von Fakten- und Regelwissen, sondern umfasst die Einübung und Ausbildung von Verhaltensweisen im Sinne Gottes – bei uns oft als „Herzensbildung“ bezeichnet. Die grundlegendste dieser Haltungen nennt das Vorwort an seinem End- und Höhepunkt (1,7): „Die Furcht des HERRN ist Anfang aller Weisheit“.

Sieghard Löser

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Gedanken zum Monatsspruch April 2023

Christus ist gestorben und wieder lebendig geworden um Herr zu sein über Tote und Lebende. Römer 14,9

Paulus schreibt einen Brief an die junge christliche Gemeinde in Rom. Wie das Evangelium schon kurz nach Jesu Tod und Auferstehung in die Hauptstadt des damaligen Weltreiches gekommen war, wissen wir nicht. Aus der Apostelgeschichte des Lukas erfahren wir, dass die Jünger Jesu kurz nach Ostern in Jerusalem die Auferstehung Jesu vor einer großen Volksmenge bezeugten und dadurch viele Menschen zum Glauben kamen. Darunter befanden sich viele Juden aus der ganzen Welt, die sich zu diesem Zeitpunkt auf Wallfahrt in Jerusalem aufhielten (sie waren zum jüdischen Wochenfest – unserem heutigen Pfingstfest – 50 Tage nach Pessach in die Stadt Davids gekommen um im Tempel den Gott Israels anzubeten). Es ist möglich, dass durch diese Leute die Kunde von Jesus bis in die Hauptstadt des Imperiums kam.
Auch hatten dann die Jünger Jesu den Auftrag ihres Herrn in die Tat umgestzt, als er bei seinem Abschied zu ihnen gesagt hatte (Markus 16,15): Gehet hin in alle Welt und verkündet das Evangelium aller Kreatur. Aus der Apostelgeschichte erfahren wir nur von Petrus und Philippus über ihre konkreten Erlebnisse bei der Verbreitung des Evangeliums – und natürlich über Paulus, der allerdings nicht aus dem Zwölferkreis um Jesus stammte, sondern anfangs sogar die neu entstandene christliche Gemeinde in Jerusalem und Damaskus verfolgt hatte und erst später zu einem Anhäger Jesu geworden war. Erst aus der nachbilischen Überlieferung aber erfahren wir z.B. von Jakobus, der bis nach Spanien kam. Oder von Thomas, der das Evangelium bis nach Indien brachte.

Wie auch immer das Evangelium nach Rom gekommen war, es war schon vor Paulus dort verbreitet worden. Was die römischen Christen zu diesem Zeitpunkt von oder über Jesus wussten, hatten sie aus zweiter Hand erfahren – also aus den Erzählungen über die Erzählungen derer, die Jesus noch persönlich gekannt hatten. Sensationelles wird darunter gewesen sein: etwa wie Jesus Wunder getan hatte, oder seine Auferstehung am dritten Tag nach seinem Tod. Vielleicht aber auch die eine oder andere Wortüberlieferung – etwa einige Erinnerungen an seine Predigten oder das eine oder andere Gleichnis.

Paulus nun geht einen Schritt weiter: in einem großartig angelegten Aufsatz (eben unserem Römerbrief) ordnet er das Christusereignis ein in die Heilsgeschichte Gottes mit seinem zuerst berufenen Volk Israel und schließlich mit der ganzen Welt. Für Paulus ist Jesus nicht zuerst der Wundermann, Heiler, Prediger und Gleich-niserzähler, sondern der von Gott Beauftragte und durch seine Auferstehung von Gott in dieser Funktion bestätigte, der der Welt das Heil gebracht hat.

Sieghard Löser