EV-LUTH. KIRCHGEMEINDE "ST. LAURENTIUS"

Elterlein mit Schwarzbach

 

Gedanken zum Monatsspruch September 2022

 

Gott lieben, das ist die allerschönste Weisheit.

Sirach 1,10

 

Das Buch Sirach (auch „Jesus Sirach“ oder „Ben Sira“) gehört zu den sogenannten Spätschriften des Ersten Testaments. Das Buch ist benannt nach Ben Sira, der um 190/180 v. Chr. in Jerusalem ein „Haus der Bildung“ nach dem Vorbild einer griechischen Philosophenschule leitete. Er präsentierte einen für die damalige Zeit modernen Gesamtentwurf der religiösen Traditionen Israels und versuchte eine Verbindung von biblischer Überlieferung, Gottesdienst und ethischer Lehre. Praktische Ratschläge nehmen breiten Raum ein, wobei kein anderer biblischer Autor so ausführlich auf die Themen Ehe, Familie und Freundschaft eingeht wie er.

Seine Schrift ist wahrscheinlich aus diesem Unterricht erwachsen und daher eine Art Lehrbuch.

 

Ein zentrales Thema des ganzen Buches ist die Weisheit (grch. Sofia). Diese „Weisheit“ ist eine selbstständige Eigenschaft Gottes und ist schon seit Anbeginn der Welt bei IHM. Der Allmächtige „benutzt“ sozusagen die Weisheit, um mit ihr seine Schöpfung zu planen und ins Werk zu setzen (siehe Kapitel 24).

Als angewandte Weisheit, die sich vor allem in der Achtung vor Gott konkretisiert, prägt sie die individuelle Frömmigkeit und die Befähigung und Fertigkeit, das Leben in schwieriger Zeit zu bewältigen. Sie ist daher für theologische Grundeinsichten und Darstellung zentraler Zusammenhänge genauso wichtig wie für alle Bereiche des Lebens, individuelle wie gesellschaftliche, wirtschaftliche wie politische.

 

Sira argumentiert grundsätzlich optimistisch und verkündet Freude am und im Leben (Sir 30,15-25; Sir 31,27-28). Er strebt ein hohes ethisches Niveau an, das vor allem auf Ausgleich ausgerichtet ist. Ein besonderer Testfall ist der Umgang mit Armut und Reichtum, der Schutz der Schwächeren und die Rücksichtnahme des Stärkeren, wobei er sehr wohl mit der Versuchung rechnet, einem Fallenden noch weiter zu schaden (Sir 13,21-22.24).

 

Das Sirachbuch galt im Judentum nie als heilige Schrift. Martin Luther ordnete es unter die Apokryphen ein; aber im Luthertum wurde es im 16. und 17. Jahrhundert viel gelesen und inspirierte die Kirchenmusik. In der Spätantike und dann wieder in der Frühen Neuzeit war das Sirachbuch im Christentum eine Art Ratgeberliteratur.

 

Sieghard Löser

 

Losung

Mittwoch,
28. September 2022

Der HERR hat sein Volk getröstet und Jerusalem erlöst.
Jesaja 52,9


Die Finsternis vergeht und das wahre Licht scheint schon.
1.Johannes 2,8