EV-LUTH. KIRCHGEMEINDE "ST. LAURENTIUS"

Elterlein mit Schwarzbach

 

Gedanken zum Monatsspruch Oktober 2021

 

Lasst uns aufeinander achthaben und einander anspornen zur Liebe und zu guten Werken.

Hebräerbrief 10,24

 

In den Briefen des Neuen Testaments geht es meist um die grundlegenden Aspekte des Glaubens. In ihnen werden Gottes Bund mit seinem zuerst berufenen Volk Israel und die Errichtung des Neuen Bundes für die Menschen aus den Heidenvölkern durch Jesus Christus thematisiert. Zum Bund Gottes mit den Menschen (des Ersten und des Neuen Bundes) gehören seine Verheißungen und Gebote. Daraus ergibt sich eine gewisse Ethik (Ethik als die Lehre von Tun und Wollen des Menschen).

Die Quellen christlicher Ethik liegen in der Bibel. Anhand der Heilsgesichte Gottes mit Israel und aufgrund des besonderen Umgangs mit den Erkenntnissen aus dieser Heilsgeschichte durch Jesus entfalten die Schreiber der neutestamentlichen Briefe (hauptsächlich Paulus, Petrus und Johannes, aber auch Jesu jüngerer Bruder Jakobus) praktische Konsequenzen für eine christliche Lebensführung im Sinne Jesu.

Dazu gehört eine gewisse „Praxis des Miteinanders“ der Jesus-Gemeinden. Ein paar Beispiele: so schreibt Paulus in seinem Brief an die Christen in der Provinz Galatien „einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen“ (Gal 6,2). An die Gemeinde in Rom schreibt er „die brüderliche Liebe untereinander sei herzlich. Einer komme dem andern mit Ehrerbietung zuvor“ (12,10) und „nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob“ (15,7). An anderer Stelle schreibt er:

„verzeiht einander“ (Kol 3,13), „wartet aufeinander“ (1 Kor 11,33), „ertragt einander in Liebe“ (Eph 4,2). Petrus hatte u.a. geschrieben: "Seid gastfreundlich zueinander" (1 Petr 4,9). Jakobus in seinem Brief fordert die Christen auf „bekennt einander die Sünden“ und „betet füreinander“ (Jak 5,16).

Durch diese – in der damaligen Welt des Römischen Reiches völlig ungewöhnliche -Lebensweise unterschieden sich die Christen grundlegend von der sie umgebenden Gesellschaft. Was seit Menschengedenken immer nur für die Familie galt, dass z.B. die Eltern für ihre Kinder und die (erwachsenen) Kinder für ihre altgewordenen Eltern einstehen und einander helfen und beistehen, das gilt nun auch für die Menschen, die durch Christus zu Kindern Gottes – zu einer neuen Familie - geworden sind. In dieser familia Dei (lat.) - der Familie der Kinder Gottes – gibt es keine Vorherrschaft der einen über die anderen mehr, denn Gott selbst ist ihr Vater; Jesus Christus ist unser großer Bruder, und alle Glieder der Gemeinde sind einander Schwestern und Brüder.

Jesus hatte zuerst mit seinen Jüngern eine herrschaftsfreie Form der Geschwisterlichkeit eingeübt und vorgelebt. Eine neue Art von Gemeinschaft, die nicht mehr von gesellschaftlichen Zwängen bestimmt ist, sondern von der Freiheit der Kinder Gottes.

Lukas in seiner Apostelgeschichte nennt diese neue Art des Zusammenlebens „den neuen Weg“. Paulus nennte es „Leben in einem neuen Äon“ – was Luther mit „ewigem Leben“ übersetzt. Jesus selbst nennt es „Das Reich Gottes“.

Mitten in dieser Welt, die geprägt ist von den evolutionären Strukturen der Biologie (homo homini lupus - der Mensch ist des Menschen Wolf, survival oft the fittest – das Überleben der Stärkeren) lebt die Kirche als eine „Kontrastgesellschaft“ (Gerhard Lohfink) deren Zusammenleben von den Verheißungen und Geboten Gottes und der Ethik Jesu bestimmt wird.

 

Sieghard Löser

 

Losung

Donnerstag,
21. Oktober 2021

Rut sprach:  Bedränge mich nicht, dass ich dich verlassen und von dir umkehren sollte. Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott.
Rut 1,16


Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus.
Galater 3,28