EV-LUTH. KIRCHGEMEINDE "ST. LAURENTIUS"

Elterlein mit Schwarzbach

Gedanken zum Monatsspruch November 2019

Hiob sprach: Ich weiß, dass mein Erlöser lebt. (Hiob 19,25)

Das Buch Hiob nimmt in der Bibel eine Sonderstellung ein. Es steht nach den geschichtlichen Schilderungen des scheinbar unaufhörlichen Auf und Ab des Gottesvolkes Israel – quasi als eine Quintessenz menschlicher Erfahrung – und vor den Psalmen, so dass alles Geschehen ins Gebet mündet.

Das Buch Hiob gehört zu den sogenannten „poetischen“ Büchern – es ist also eine Dichtung, keine historische Schilderung. Das wird schon im ersten Satz dieses Buches deutlich (1,1): „Es war ein Mann im Lande Uz, der hieß Hiob.“ Denn das „Land Uz“ findet sich auf keiner Landkarte. Vielmehr bedeutet „Land Uz“ soviel wie „überall“. Erzählt wird also eine Lebensgeschichte, wie sie sich überall und zu allen Zeiten abgespielt hat und immer wieder abspielt.

Hiob wird geschildert als fromm und rechtschaffen, gottesfürchtig und das Böse meidend. Er hatte sieben Söhne und drei Töchter und war sehr reich. Doch eines Tages verliert er all seinen Reichtum, seine Kinder sterben bei einem Unglück und er selbst verliert seine Gesundheit. Über allem Herzeleid fordert ihn auch noch seine Frau auf, er möge Gott absagen und sterben.

Doch Hiob hat treue Freunde, die ihn besuchen um ihn zu trösten. Es entspinnen sich lange Diskussionen um die Ursachen für all das Unglück, welches Hiob getroffen hat und warum der Gerechte so leiden muss. Galt doch früher immer als Erklärung für alles Schicksal, dass Krankheit und Leid als Strafe für Sünde oder Vergehen angesehen wurde. Doch Hiob hat weder Unrechtes getan noch sich gegen Gott versündigt! Der bisher als Erklärung herangezogene Zusammenhang von Tun und Ergehen gilt also nicht mehr. Krankheit und Leid sind also keine Strafe Gottes!

Und Hiob hält an seinem Glauben fest: „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt.“

Viele Generationen von Theologen, Philosophen und Dichtern haben sich an diesem Thema abgearbeitet. So beruht Goethes Faust als deutsches Nationalepos auf der (erst später dem ursprünglichen Stoff hinzugefügten) Rahmenhandlung, wonach die Ursache des Unglücks ein Deal Gottes mit dem Satan sei. Diese Vorstellung jedoch widerspricht allen biblischen Grundsätzen. Offensichtlich aber konnten sich manche spätere Rezipienten nicht damit abfinden, dass der Mensch letztlich keine Einsicht in Gottes Willen haben kann, es also Bereiche gibt, zu denen er nur Fragen äußern kann, schlüssige Antworten aber ausbleiben.

Sieghard Löser

 

Losung

Freitag,
06. Dezember 2019

Gelobt sei der Herr täglich. Gott legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch.
Psalm 68,20


Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen.
Römer 8,28