EV-LUTH. KIRCHGEMEINDE "ST. LAURENTIUS"

Elterlein mit Schwarzbach

 

Gedanken zum Monatsspruch Mai 2021

 

Tu deinen Mund auf für die Stummen und für die Sache aller, die die verlassen sind.

Buch der Sprüche 31,8

 

Das biblische Buch der Sprichwörter gehört zur sogenannten „Weisheitsliteratur“. Als Urheber dieser besonderen Gattung gilt der König Salomo. Allerdings galt dieser König aufgrund seiner diplomatischen Politik bei einigen seiner Zeit-genossen als nicht sehr fromm, obwohl er doch den Tempel gebaut und – im Gegensatz zu seinem hochverehrten Vater David - keinen einzigen Krieg geführt hatte.

Vielleicht lag das daran, dass das Urteil der Späteren über David – „den Liebling Gottes“ – eher emotional bestimmt war (heute würden wir sagen: „charismatisch“), während Salomos Beziehung zu Gott und seinen Mitmenschen – ein-schließlich seiner Politik – als eher „rational“ eingeschätzt werden könnte.

Mit Klugheit und Diplomatie leitete Salomo die Geschicke des Gottesvolkes. Er war davon überzeugt, dass man Gott am besten dienen könne mit geordneten Verhältnissen und verlässlichen Regeln und natürlich mit sozialer Gerechtigkeit. Den Kern seiner Politik fasst er selbst zusammen mit dem Satz: Die Ehrfurcht vor Gott (und seinen Weisungen und Geboten) ist der Anfang aller Erkenntnis und die Quelle des Lebens (1,7 u. 14,27). Denn ein Gemeinwesen verfällt und ein Volk geht zugrunde, wenn es keine Regeln mehr kennt und die Gebote Gottes – oder selbst die eigenen Gesetze missachtet.

Zu den Sammlungen der israelitischen Weisheitsliteratur gehören aber auch ähnliche Aussprüche fremder Nationen. So wird das 31. Kapitel des biblischen Buchs der Sprichwörter der Mutter des Königs Lemuel von Massa zugeschrieben. Diese Königsmutter war offensichtlich die erste Politikberaterin ihres Sohnes. Gerechtigkeit und Recht für die Elenden und Armen zu schaffen und die Stimme für die Sprachlosen und Verlassenen zu erheben – das ist (nach der Ansicht der Mutter des Lemuel und offensichtlich auch nach Ansicht dessen, der deren Sprüche in seine Sammlung aufgenommen hat) eine der Hauptaufgaben einer jeden Regierung. Als Maßstab sozialer Gerechtigkeit gilt – seit biblischen Zeiten – dass auch jene, die sich nicht selbst helfen können, genug zum Leben haben. Denn die Stärke eines Volkes misst sich am Wohl der Schwachen.

 

Sieghard Löser

 

Losung

Sonntag,
13. Juni 2021

Ich will dem HERRN singen, dass er so wohl an mir tut.
Psalm 13,6


Leidet jemand unter euch, der bete; ist jemand guten Mutes, der singe Psalmen.
Jakobus 5,13