EV-LUTH. KIRCHGEMEINDE "ST. LAURENTIUS"

Elterlein mit Schwarzbach

Elterlein als Wegmarke auf dem Jakobsweg?!

Abraham, der Vater des Glaubens (Röm 4,11), hat es vorgemacht: Als einer der ersten Pilger zieht er los, weil er Gott vertraute. Im ersten Buch der Bibel heißt es: „Der HERR sprach zu Abraham: Zieh weg aus deinem Land, von deiner Verwandtschaft und aus deinem Vaterhaus in das Land, das ich dir zeigen werde. Ich werde dich zu einem großen Volk machen, dich segnen und deinen Namen groß machen. Ein Segen sollst du sein." (Genesis 12, 1) Zusammen mit seiner Frau Sarah und seinem Neffen Lot verlässt Abraham seine Heimat und macht sich auf den Weg. In den Erzählungen der Genesis geht es in erster Linie um die Erlebnisse auf dem Weg zum Ziel, welches er, zumindest örtlich, noch nicht einmal kennt.

Später sind es die jährlichen drei Wallfahrtsfeste, zu denen die Gläubigen des ersten Gottesvolkes nach Jerusalem pilgern, um im Tempel Gottesdienst zu feiern und den Ewigen anzubeten. Bis zur Zerstörung des Tempels durch die Römer im Jahr 70 n. Chr. zogen die Pilger in die den Juden und Christen heilige Stadt. Danach war es Juden bei Todesstrafe verboten, ihre ehemalige Hauptstadt zu betreten. Für die Christen wurden bald die Grabstätten der Apostel Petrus und Paulus in Rom zur wichtigsten Pilgerstätte.

Doch seitdem sich im 4. Jahrhundert die Kunde verbreitete, Kaiserin Helena habe in Jerusalem Reste des Kreuzes Jesu gefunden, kamen wieder pilgernde Christen nach Jerusalem. Die früheste schriftlich dokumentierte Reise eines christlichen Pilgers ins Heilige Land führte im Jahre 333 über den Landweg von Bordeaux nach Jerusalem.

Nach der muslimischen Eroberung des Heiligen Landes durch die Krieger Allahs waren christliche Pilgerreisen fast unmöglich geworden. Die heiligen Stätten der Christenheit wie die Geburtskirche in Bethlehem und die Grabeskirche in Jerusalem waren für Christen nicht mehr frei zugänglich. Nur unter bewaffneten Begleitschutz konnte die christlichen Pilgerscharen zu ihren Zielen im Heiligen Land geleitet werden. Der Papst rief darum die christlichen Ritter Europas zum Kreuzzug, um die heiligen Stätten zu befreien. Als Ersatz für die gefährlich gewordenen Pilgerfahrten ins Heilige Land kam nun das Grab des Apostels Jakobus in Santiago de Compostela in den Blick, welches vor allem wegen der ausgezeichneten Infrastruktur mit einem von Klöstern betreuten weitgespannten Herbergennetz gut zu erreichen war.

Herkunft und Bildung sind beim Pilgern zweitrangig. Pilger kommen aus jedem Stand - eine Idee, die im standesgeprägten Mittelalter gerade Menschen aus den unteren Schichten begeisterte. Die Motive der Reise waren und sind jedoch äußerst vielfältig. Zuallererst sind die Menschen aus religiösen Gründen unterwegs: Pilgern für das Seelenheil, aus Dankbarkeit, aufgrund eines Gelübdes oder als Buße.

Während der Reformationszeit nahm das Pilgern stark ab. Martin Luther ist nicht ganz unschuldig daran. Er bezeichnet das Pilgern als "Narrenwerk" und spottet über den Jakobsweg nach Santiago de Compostela: "Lauf nicht dahin, man weiß nicht, ob Sankt Jakob oder ein toter Hund daliegt." Im protestantischen Norwegen wurde das Pilgern ab 1537 sogar verboten und als Irrlehre angeprangert.

Der Unterschied zwischen einer Pilgerreise und einer Wallfahrt ist nicht immer ganz klar. Während der Wallfahrer Dauer, Ziel und Anliegen ganz klar definiert hat, sind es beim Pilger eher die Begegnungen und Erlebnisse unterwegs, die den Reiz der Reise ausmachen.

Eine Pilgerreise war und ist immer auch ein Abenteuer. Trotzdem bleibt das Pilgern nach dem Boom im Mittelalter bis weit in das vergangene Jahrhundert hinein eine Beschäftigung, die nur wenige Menschen für sich entdecken.

Erst seit einigen Jahrzehnten ist das Pilgern in Europa von einer breiten Öffentlichkeit wiederentdeckt worden. 1987 wird der Jakobsweg vom Europarat zur europäischen Kulturroute erhoben und ausdrücklich empfohlen. Wiederentdeckte Wegenetze, steigendes kulturelles Interesse und der Wunsch nach Entschleunigung locken viele Menschen auf den "Camino".

Auch deutsche Pilger frequentierten in den vergangenen Jahren wieder vermehrt die Strecken. Zu verdanken ist dieser Aufschwung auch dem Schauspieler und Moderator Hape Kerkeling. Mit der Veröffentlichung seines Bestsellers "Ich bin dann mal weg" im Jahr 2006 hat er nicht nur eine neue Redewendung geprägt, sondern ebenso die deutschen Pilgerzahlen in die Höhe schnellen lassen.

Pilgern ist heute wieder genau das, was Hippocrates, der berühmte Arzt der Antike, mit dem Zitat "Gehen ist des Menschen beste Medizin" verdeutlicht: eine ganzheitliche Bewegungskur für Leib und Seele. Hatten die meisten Menschen damals keine andere Fortbewegungsmittelwahl als die eigenen Füße, ist diese Sehnsucht nach Einfachheit in der Gegenwart wieder ein Luxusgut, das das eigene Leben ordnen oder durcheinander bringen soll. Dabei entdecken viele Menschen die Form des Pilgerns für sich. Nicht unbedingt ausschließlich religiös motiviert, aber doch auf der Suche - nach sich selbst, nach anderen oder nach Gott.

Auch Elterlein war früher eine Wegmarke auf dem Jakobsweg (schließlich steht Jakobus als geschnitzte Figur mit Pilgerhut, Jakobsmuschel auf dem Mantel und Trinkfasche am Gürtel auf unserem Altar - ober links). Die Pilger hielten Andacht in der St. Laurentiuskirche oder nahmen an der Messe teil. Einige begehrten eine Herberge für eine Nacht oder eine Mahlzeit und den Reisesegen. Eine sächsische Initiative will diese in Vergessenheit geratene Tradition wieder neu beleben (http://jakobsweg-silberberg.de/index.php/neues).

Am 10. Juni wird dazu in unserer Kirche eine Ausstellung eröffnet.

Juden und Christen – von der Trennung zur Einheit - Wir gehören zusammen
Gemeindeabend mit Michael Schneider, Jerusalem
am 5. Juli um 19.30 Uhr in der St. Laurentiuskirche, Elterlein

So werden viele Völker, Heiden in Scharen, kommen, den HERRN Zebaoth in Jerusalem zu suchen und den HERRN anzuflehen. So spricht der HERR Zebaoth: Zu der Zeit werden zehn Männer aus allen Sprachen der Heiden "einen" jüdischen Mann beim Zipfel seines Gewandes ergreifen und sagen: Wir wollen mit euch gehen, denn wir hören, dass Gott mit euch ist.                                           (Prophet Sacharja 8,22f)

Das biblische Gottesvolk Israel hat im Laufe seiner Existenz verschiedene Formen des Zusammenlebens durchlaufen. So organisierten sich die Nachkommen Abrahams, Isaaks und Jakobs zunächst als patriarchalische Stämmegesellschaft. Nach der Rückkehr aus der Sklaverei in Ägypten und der Inbesitznahme des verheißenen Landes machte sich unter ihnen bald der Wunsch nach einem eigenen Staat bemerkbar, denn Israel wollte sein wie die anderen Völker auch. So salbte der Prophet Samuel den Bauernsohn Saul zum ersten König. Doch dieser Staat mit einer zentralen Verwaltung und einen zentralen Heiligtum wurde mehrfach erobert und zerstört und wieder neu gegründet. Die letzte Neugründung Israels als Staat erfolgte 1948.

Diese Neugründung war auch eine Reaktion auf den Antisemitismus: sowohl auf den europäischen als auch, was in der deutschsprachigen Debatte gerne unterschlagen wird, den arabischen und islamischen, mit dem die die zionistische Bewegung schon in den Dekaden vor der israelischen Staatsgründung konfrontiert war und der schon deswegen kein Resultat dieser Gründung sein kann.

Der Kern der zionistischen Idee – dem alle anderen partikulären Ansprüche, seien sie säkular oder religiös begründet, untergeordnet werden – besteht in der Schaffung und Erhaltung eines sicheren und zur Verteidigung fähigen Staates für alle vom Antisemitismus Bedrohten. Wenn möglich durch Verhandlungen und Kompromisse, wenn nötig durch militärische Stärke.

Darin unterscheidet sich der jüdische Staat von allen anderen auf dieser Welt. Er ist kein »Staat wie jeder andere auch« und kann es auch gar nicht sein, weil er die Antwort auf eine sich durch die Jahrhunderte ziehende Verfolgungsgeschichte und insbesondere auf den nationalsozialistischen Massenmord ist.                  

Unter den 194 unabhängigen Staaten steht der Staat Israel in Bezug auf seine geo-graphische Ausdehnung an 152. Stelle, in Bezug auf seine Einwohnerzahl an 97. Stelle. Er ist etwa so groß wie Belize, Djibouti oder das Bundesland Hessen und zählt ungefähr so viele Einwohner wie Tadschikistan, Honduras oder das Bundesland Niedersachsen. Schlägt man aber eine Zeitung auf oder hört die aktuellen Nachrichten, könnte man meinen, dass Israel neben China, Russland und den USA zu den wichtigsten Staaten der Erde gehört.

Auch in Deutschland wird Israel nicht wie jedes andere Land behandelt. Sobald ein neuer deutscher Bundespräsident in sein Amt gewählt wird, gehört - zumindest seit den achtziger Jahren - ein Staatsbesuch in Israel zu einer seiner ersten und heikelsten Aufgaben. Bundeskanzlerin Merkel unterstrich in ihrer Rede vor dem israelischen Parlament im März 2008: «Jede Bundesregierung und jeder Bundes-kanzler vor mir waren der besonderen historischen Verantwortung Deutschlands für die Sicherheit Israels verpflichtet. Diese historische Verantwortung Deutsch-lands ist Teil der Staatsräson meines Landes.»

In anderen Teilen der Welt ist Israel das Feindbild Nummer eins. Im von Israel tausend Kilometer entfernten Iran gehört es zu einem wichtigen politischen Ritual, dem «zionistischen Gebilde» öffentlich den Kampf anzusagen und israelische Fahnen zu verbrennen. Auch in Staaten, in denen so gut wie niemand jemals einen israelischen Staatsbürger zu Gesicht bekommen hat, wird die „zionistische Weltverschwörung“ angeprangert, und die Landkarten des Nahen Ostens werden so gedrückt, als existiere der jüdische Staat überhaupt nicht.

In einer weltweiten BBC- Umfrage nach den beliebtesten Ländern der Welt liegt Deutschland, von dem im zwanzigsten Jahrhundert zwei Weltkriege ausgingen, an der Spitze, während der jüdische Staat, der von den Überlebenden des größten Völkermords des zwanzigsten Jahrhunderts gegründet wurde, sich die negativsten Werte mit den Pariastaaten Iran und Nordkorea teilt. Es passt in diesen Rahmen, dass die UNO- Menschenrechtskommission seit ihrem Bestehen gegen Israel allein fast genauso viele Resolutionen erlassen hat wie gegen sämtliche andere Staaten zusammen. Was wiederum nicht verwunderlich ist, weil in der UNO neben dem einen Staat mit einer jüdischen Mehrheit 57 andere Staaten mit einer muslimischen Mehrheit vertreten sind, darunter die 21 Staaten der arabischen Liga. Darüber hinaus sind in diesem ehrenwerten Gremium Staaten mit einer eigenen Auslegung der Menschenrechte vertreten wie z.B. Saudi- Arabien, Iran, Nigeria, Katar oder Lybien (letzteres früher vertreten durch Muammar el Gaddafi).

Michael Schneider, messianischer Jude, Journalist und Bibelexeget versieht heute im Rahmen seiner Vorträge im deutsch-sprachigen Europa seinen „Reservedienst” für Gott und Israel. Schneider hat sich auch als profunder Kenner der hebräischen Bibelsprache einen Namen gemacht und veröffentlicht wöchentlich Kommentare zu den aktuellen Schabbat-Lesungen. In seinen Publikationen und Vorträgen ruft Michael Schneider zur Heimkehr der Juden auf.

Da Israel in den Gemeinden oft kein Thema ist, versucht Schneider durch seine Vorträge und Predigten die Menschen neu für den Gott Israels und Sein Volk zu begeistern. Es müssen neue Brücken gebaut werden, ein Licht für die Nationen. Das, was einst zusammen war, die ersten Gläubigen, Juden wie Christen, und was Jahrhunderte lang mühsam durch die Frühkirche getrennt wurde, will Schneider durch seine Bibelkenntnis wieder als heilsgeschichtliche Einheit ans Licht bringen.

 

Losung

Mittwoch,
13. Dezember 2017

Ich gab ihnen meine Sabbate zum Zeichen zwischen mir und ihnen.
Hesekiel 20,12


Bewahre das kostbare, dir anvertraute Gut in der Kraft des heiligen Geistes, der in uns wohnt.
2.Timotheus 1,14